Austritt aus der Evangelischen Kirche

zuletzt geändert am 13.11.2009

Sie sehen keinen Sinn mehr in einer Kirchenzugehörigkeit, haben sich über etwas geärgert oder überlegen aus anderen Gründen, aus der Kirche auszutreten?
Wir bitten Sie, mit Ihnen über Ihre Überlegungen reden zu dürfen, bevor Sie diesen Schritt tun. Gerne können Sie dies auch schriftlich tun oder per E-Mail. Hier sind unsere E-Mail-Adressen: Pfarrer Teutsch; Pfarrer Warneck. Für den Fall, dass Sie derzeit keinen Kontakt mit uns aufnehmen wollen, möchte ich unter den nachfolgenden Stichworten versuchen, allgemein auf einige mögliche Austrittsgründe einzugehen, ohne Sie und Ihre Überlegungen zu kennen.

Der Kirchenaustritt muss vor dem Standesbeamten der Stadt Mainz erklärt werden. Sie finden ihn im Stadthaus in der Kaiserstraße 3-5. Näheres ist auf der Homepage der „Landeshauptstadt Mainz“ zu finden. Das bedeutet: wir erfahren erst im Nachhinein, dass Sie ausgetreten sind. Natürlich suchen wir auch dann das Gespräch mit Ihnen. Leider haben aber die Wenigsten nach ihrem Austritt ein Interesse daran, in solch ein Gespräch einzutreten.

Ich glaube nicht mehr an Gott

Wenn dies der Grund sein sollte für Ihre Überlegung auszutreten, werden Argumente allein Ihnen kaum weiterhelfen können. Glauben bedeutet ja nicht „etwas für wahr halten“, sondern „vertrauen“. Wenn Sie kein Vertrauen mehr haben können in Gott und in die Bibel als „Gottes Wort“, dann brauchen Sie die Begegnung mit Menschen, die zu diesem Vertrauen fähig sind oder darum ringen. Ich schlage Ihnen deshalb vor, in diesem Fall entweder das Gespräch mit einem von uns Pfarrern zu suchen (Pfr. Teutsch, Tel. 677152; Pfr. Warneck, Tel. 234679) oder in eines der Treffen der Gesprächgruppe „Biblische Texte und Themen“ hineinzuschuppern. Dort können Sie unkompliziert die Behandlung der Fragen vorschlagen, die Ihnen wichtig sind. Die Gruppe trifft sich etwa einmal pro Monat. Nähere Angaben können Sie immer bei mir (Warneck) erhalten, da die Termine nicht immer veöffentlicht werden können (sie werden oft von Treffen zu Treffen vereinbart).

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Ich lehne das System der Kirchensteuern ab

Unsere Kirche beschäftigt 20.000 MitarbeiterInnen (ErzieherInnen, PflegerInnen, BeraterInnen. Küster, Hausmeister, GemeindepadägogInnen, JugendreferentInnen, PfarrerInnen, auch Verwaltungsangestellte) und wendet dafür 70% der Kirchensteuereinnahmen auf, in Form von Löhnen und Gehältern.
Unsere Kirche und das Diakonische Werk arbeiten wie alle freien Träger, also auch die nichtkirchlichen wie z.B. die Arbeiterwohlfahrt, subsidiär. Das bedeutet: Nach unserer Gesetzgebung sind soziale Aufgaben zunächst von freien Trägern zu erfüllen, wenn diese vorhanden sind. Ihnen haben Staat, Länder und Kommunen Zuschüsse für diese soziale Arbeit (nicht für ihre religiöse Aufgaben!) zu geben . Dies sind z.B. die kirchlichen Kindergärten, die Sozialstationen für ambulante Pflege, Beratungsstellen. D.h. es fließen neben Kirchensteuermitteln und Einnahmen z.B. aus den Pflegeversicherungen auch Steuermittel in diese Arbeit ein, oft in erheblichem Umfang.
In der Regel ist diese Arbeit sehr personalintensiv, was bedeutet: kostenintensiv und langfristig ausgelegt. Allein aus Kirchensteuermitteln könnten wir diese meist flächendeckenden diakonischen Arbeiten nicht finanzieren.
Seit längerem steht unsere Kirche vor der Aufgabe, angesichts sinkender Mitgliederzahlen und Kirchensteuereinnahmen Schwerpunkte zu entwickeln und mit ihnen auch Entscheidungen zu treffen, was künftig nicht mehr finanziert werden soll. Die Evangelischen Familienberatungsstellen gehören zu den Einrichtungen, über deren Zukunft in diesem Zusammenhang heiß gestritten wird. Obwohl hier hohe staatliche Zuschüsse fließen, haben wir das Geld nicht mehr, unseren Eigenanteil auf Dauer zu finanzieren. Für uns stellt sich, deutlich gemacht an diesem einen Beispiel, also die Frage: was können wir wie fortführen und was müssen wir kürzen oder streichen? Jeder Austritt verschärft diese Frage natürlich.
Spenden helfen in solchen Zusammenhängen keinem freien Träger, weil sich mit ihnen keine Personalplanungen durchführen und keine Gehälter sichern lassen. Eine so personalintensive Arbeit wie die kirchliche und diakonische braucht mit Rücksicht auf die Mitarbeitenden und die Betroffenen eine andere Verlässlichkeit. Dies garantiert die Kirchensteuer, bei allen Schwächen, die sie sicher gleichzeitig hat.
Zur Höhe: Wir zahlen, wenn wir lohnsteuer- oder einkommensteuerpflichtig sind (das sind etwa ein Drittel der Kirchenmitglieder), 9% unserer Steuern als Kirchensteuern. Diese lassen sich als Sonderausgaben von der übrigen Steuer absetzen, so dass der reale Kirchensteuersatz oft erheblich unter diesen 9% liegt. Dieser Beitrag wird jedes Jahr im Herbst von der Landessynode, unserem gewählten Kirchenparlament, beschlossen und ist ein Mitgliedsbeitrag, so wie jeder andere Mitgliedsbeitrag auch.
In unserer Gesellschaft ist die Finanzierung der meisten sozialen Einrichtungen hochkomplex organisiert, durch staatliche Gesetze, Verordnungen und Vorgaben der Versicherungen. Mit Spenden kann man diese Aufgaben leider weder bei uns noch anderswo nennenswert unterstützen. Solche Arbeit braucht andere finanzielle Rahmenbedingungen. Aus diesem Grund ist in den vergangenen Jahren als Alternative zur Kirchensteuer immer wieder eine Kultursteuer ins Gespräch gebracht worden, bei der man wählen kann, wohin die eigenen Gelder gehen sollen. Bekanntlich gibt es solch eine Steuer aber bis heute nicht und damit auch keine Möglichkeit, für die in unserer Gesellschaft notwendigen sozialen Aktivitäten verlässliche und mittelfristig sicher finanzielle Rahmenbedingungen zu schaffen.
Viele überlegen sich einen Kirchenaustritt wegen ihrer hohen Kirchensteuern und sagen damit natürlich auch etwas über ihre hohen Steuern und damit über ihren guten Verdienst. Vielleicht ist es in einer Gesellschaft, in der die öffentlichen Hände hochverschuldet sind und trotzdem Steuern kürzen, einfach notwendig, dass diejenigen, die es können, ihren Anteil an der Last mittragen, die zwar alle zu tragen haben, aber nicht alle in gleichem Maße bezahlen können. „Eigentum verpflichtet“ hat es einmal bei uns geheißen, ein durch und durch christlicher Gedanke. Ich (Warneck) halte die Kirchensteuer nach wie vor für ein Mittel, diesen Gedanken wirksam in die Tat umzusetzen.

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Ich sehe nicht ein, was ich davon habe

Aus meiner Sicht (Warneck) haben Sie sehr viel von Ihren Kirchensteuern, auch wenn Sie nie in eine Kirche gehen und derzeit keinen Zugang zu Gott haben. Unsere Gesellschaft verdankt den beiden großen Volkskirchen einen erheblichen Teil ihrer sozialen Infrastruktur. Ein großer Teil der Kindergärten, der Krabbelgruppen, der Kinder- und Jugendgruppen, der Kinder-, Jugend- und Familienfreizeiten, der Angebote für Senioren geschieht als Teil der kirchlichen Arbeit. Hinzu kommen Familien- und Eheberatungsangebote, Beratung von Schwangeren, Schwangeren-Konfliktberatung, Allgemeine Lebensberatung für Menschen in Not, die Sozialstationen für ambulante Pflege, Pflegeheime, Krankenhäuser, aber auch wichtige Initiativen wie „Fair trade“, „Eine-Welt-Läden“, Umweltschutz, Arbeitsloseninitiativen, Mittagstische für Arme und Wohnsitzlose, Integrationsarbeit für Menschen mit Migrationshintergrund, Flüchtlingsarbeit. Dies ist bei weitem nicht alles, trägt in seiner Summe aber erheblich zum sozialen Frieden in Deutschland bei.
Unsere Kirchen, das Diakonische Werk und katholischerseits der Caritasverband sind immer wieder auch mahnende Stimme für Benachteiligte in unserer Gesellschaft und Teilnehmer am Diskurs über vielerlei strittige Fragen z.B. in Wirtschaft, Politik und Umweltschutz.
Dies alles ist nur möglich, weil Sie und viele andere Menschen unsere gemeinsamen Kirchen mit Ihrer Mitgliedschaft stärken und Rückhalt geben.

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